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Pressespiegel > 2008
Die Satellitenperspektive verdeutlicht den Verlust
Vortrag über die Fernerkundung der Erde fand großes Interesse
von Roland Wozniak, erschienen im "Freien Wort" am 14. 03. 2008
Sonneberg - Schweigend kreisen sie im All, am nächtlichen Himmel nehmen wir sie manchmal wahr als flüchtig dahineilende Punkte im Lichtermeer der Sterne. Die Rede ist von Satelliten. Ob für die Übertragung von Fernsehbildern rund um den Globus, ob fürs Navigationssystem oder die Wettervorhersage, die künstlichen Trabanten im All sind aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Aber auch für die Militärstrategen sind die Satelliten ein unverzichtbares Spionageinstrument. "In kaum einem anderen Bereich der Wissenschaft liegen die zivile und militärische Nutzung so eng beieinander", sagt Thomas Weber.
In seinem Vortrag am Montagabend befasste sich der Leiter des Astronomiemuseums an der Sternwarte mit den zivilen Aspekten der Erdfernerkundung, er sprach von den Satelliten als Umweltdetektiven. Einführend gab es einen Überblick über die physikalischen Grundlagen der Erdfernerkundung. Satelliten empfangen reflektierte Lichtstrahlung der Sonne, aber auch Wärmestrahlung und Strahlung aus dem Bereich des nicht sichtbaren Lichtes. Aktive Satellitensysteme senden eine Strahlung im Bereich der Mikrowellen aus und empfangen die Reflexionen. Die Auswertung der Signale bedarf immer noch des Menschen mit seinen Erfahrungen und seiner Flexibilität.
„Die Erdatmosphäre wirkt dabei wie ein Fotofilter", war im Vortrag zu erfahren. Licht im ultravioletten Bereich wird fast vollständig absorbiert, die beste Durchlässigkeit ist in den Bereichen des, sichtbaren Lichtes, wobei auch hier Wolken und Staubpartikel in der Atmosphäre das Bild trüben können.
Ungehindert durchdringen Infrarotstrahlen die Atmosphäre,allerdings nur in abgegrenzten Frequenzbereichen. Gerade im Infrarotbereich gibt es ein sehr differenziertes Reflexionsverhalten der verschiedenen Materialien. Altschnee, Kalkstein, Sand, Beton oder Pflanzen haben ein unterschiedliches Absorptionsverhalten und lassen sich aus dem All unterscheiden, ja selbst einzelne Pflanzenarten und der jahreszeitliche Vegetationsverlauf lassen sich auswerten.
Eine detailgetreue Abbildung liefern Strahlen im Mikrowellenbereich. Die Lösung heutiger Satellitensysteme ist die Multispektralanalyse, die verschiedensten Frequenzbereiche werden ausgewertet und zu einem Gesamtergebnis zusammengeführt. So ist man heute mit den Satelliten in der Lage, die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre, die Temperatur der Ozeane und die Richtung und Höhe der Wellen zu bestimmen. Aber auch die Vegetationsphasen, Waldbrände, Vulkanausbrüche und Umweltsünden lassen sich aus dem All aufspüren.
In einer Höhe von rund 800 Kilometern umkreisen diese kleinen Helfer die Erde. Und während das künstliche Auge des Menschen in rund 90 Minuten schräg über die Pole hinweg die Erdkugel umkreist, dreht sich Mutter Erde unbeirrt um ihre Achse. In rund 18 Stunden hat ein Satellit die Erdoberfläche einmal abgetastet. Und war man noch vor ein paar Jahren stolz auf eine Auflösung von 80 Metern, sind heutige Satelliten in der Lage, Objekte bis auf einen Meter abzubilden.
Eindrucksvoll und gespenstisch zugleich präsentierte Thomas Weber Satellitenaufnahmen unserer bedrohten Erde. Da war unser nächtlicher Planet zu sehen. Das Glitzern und Funkeln über Westeuropa und über Nordamerika rührte von den unzähligen Straßenlampen der großen Metropolen, quer über Afrika und Südamerika. Ein purpurrotes Leuchten, hervorgerufen von Waldbränden, Buschfeuern und Brandrodungengen, im fernen Sibirien fast ein giftgrünes Leuchten von den brennenden Erdgasfeldern.
Nähere Bildausschnitte zeigten den Smog von Südostchina, die Dunstschwaden stauten sich am Himalaja und zogen dann aufs offene Meer.
Erschreckend die Bilder vom Amazonas. Noch vor 25 Jahren ein einziges Urwaldgebiet, wurden riesige Flächen gerodet, paradoxerweise auch dafür, um Pflanzen anzubauen für die Gewinnung von Bio-Kraftstoff. Es waren die Zerstörungen von Flutkatastrophen zu sehen, aber auch der nicht kalkulierbare Einschnitt am Yangtse-Fluss in China, wo ein riesiger Staudamm entsteht. Umweltprobleme, von denen jeder tagtäglich in den Medien hört und sie dann doch aus dem Bewusstsein verdrängt, bekamen mit diesen Bildern ein Gesicht.
Unsere Atmosphäre, keine siebzig Kilometer hoch, wirkt aus dem All wie ein hauchdünner Schutzfilm. Nimmt man den Globus als Modell, so hat die Atmosphäre nicht einmal die Dicke der verwendeten Lackschicht. "Auch der höchste Schornstein endet in der Atmosphäre", bringt Thomas Weber das sensible Problem auf den Punkt. Der Vortrag soll aber keine Eintagsfliege sein. Pädagogisch und altersgerecht für Schüler aufbereitet, will Thomas Weber mit seinem Team das Thema an die Schulen bringen.