Astronomiemuseum der Sternwarte Sonneberg


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Vortrag ueber bemannte Mondunternehmen

Pressespiegel > 2009

Sprung der Menschheit ins Meer der Ruhe


von Roland Wozniak, erschienen im „Freien Wort“ am 16. Juli 2009


Am 20. Juli jährt sich die erste bemannte Mondlandung. Nachdem nun Jahrzehnte niemand mehr dort oben war, plant die amerikanische Weltraumbehörde den nächsten Flug für das Jahr 2020.



„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit." Dieser Satz, gesprochen vor 40 Jahren von Neil Armstrong, ist aus den Geschichtsbüchem nicht mehr weg zu denken. Der amerikanische Astronaut war der erste Mensch, der am 20. Juli 1969 seinen Fuß auf den Mond setzte: Diesem Schritt vorausgegangen ist eine kaum vorstellbare technologische Aufholjagd, an der zeitweise bis zu 20 000 Firmen, Forschungseinrichtungen und Behörden beteiligt waren. Thomas Weber gab jüngst bei seinem populärwissenschaftlichen Vortrag an der Sternwarte nicht nur einen Rückblick auf das unmittelbare Geschehen der Mondlandung, sondern der Leiter des Astronomiemuseums beleuchtete auch die Triebkräfte dieses Unternehmens, das innerhalb der amerikanischen Gesellschaft für eine Mobilisierung von Ressourcen unvorstellbaren Ausmaßes sorgte.

Den Traum vom Flug zum Mond beschrieb schon Jules Verne in seinen fantastischen Romanen. Doch von Jules Verne bis hin zum zivilen Weltraumprogramm war es ein weiter Weg. Die Anfänge der Eroberung des Weltalls sind im militärischen Großmachtstreben zu finden. Bereits 1942 war es eine Waffe der Nazis, die Rakete V2, die als erstes von Menschen erdachtes Flugobjekt das Weltall tangierte, bezieht man sich auf die Definition, nach der das All 100 Kilometer über der Erdoberfläche beginnt. Nach dem Krieg hatten die Amerikaner ihr Weltraumprogramm mit erbeuteten V2-Waffen begonnen, war auf der Sternwarte zu erfahren. Am Anfang seines Vortrages zeigte Thomas Weber eine Fotografie aus dem Jahre 1955, auf der der Raketentechniker Wernher von Braun gemeinsam mit Walt Disney zu sehen ist. Was hat der Erfinder von Mickey Mouse mit dem Raketentechniker zu tun? Disney war nicht nur der legendäre Trickfilmproduzent, sondern auch sehr aktiv in der Wissenschaftspopularisierung.

Ohne breite Zustimmung in der amerikanischen Öffentlichkeit wäre das gigantische Mondlandungsprogramm undenkbar gewesen. 1955 machten sich weltweit Astronomen und Geophysiker daran, das internationale geophysikalische Jahr vorzubereiten. Eine kleine Meldung der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS setzte einen Wettlauf in Gang. Es hieß, die Sowjetunion plane im Laufe des geophysikalischen Jahres einen Satelliten zu starten. Am 4. Oktober 1957 wurde dann eine Sputnik genannte, 80 Zentimeter große Alu-Kugel in die Umlaufbahn geschossen und sendete ihre Piepssignale. Mitten im kalten Krieg entwickelten die Sowjets ihre Interkontinentalraketen, mit deren Hilfe schwere Objekte und somit auch Sprengköpfe an fast jeden beliebigen Punkt der Erde gebracht werden konnten, trotz eines dichten Netzes amerikanischer Bomber, die sich ständig weltweit in der Luft befanden. Es war eine Demonstration der technischen Überlegenheit. Zwei Jahre nach dem Sputnik erreichte mit Lunik 3 der erste Satellit den Mond. Die sowjetischen Satelliten waren groß, schwer und imposant.

„Die Amerikaner sollten doch erstmal Pampelmusen ins All schicken", empfahl dereinst Kruschov provokant. Thomas Weber urteilte in seinem Vortrag, dass die Wahrnehmung ihrer technischen Überlegenheit bei den Russen teilweise auch eine verzerrte Sicht der Dinge gewesen sei. Denn Fehlschläge bei der Entwicklung seien strikt verschwiegen worden. Mit dem ersten bemannten Raumflug durch den sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin am 12. April 1961 nahmen die Amerikaner die Herausforderung an. Der amerikanische Präsident John F. Kennedy erklärte damals: „Ich glaube, dass dieses Land sich zum Ziel setzen sollte, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurück zu bringen." So sprach Kennedy in einer Rede am 12. April 1961. Und weiter: „Kein einziges Weltraumprojekt wird in dieser Zeitspanne die Menschheit mehr beeindrucken oder wichtiger für die Erforschung des entfernten Weltraums sein und keines wird so schwierig oder kostspielig zu erreichen sein." Es kam zur Errichtung eines akademisch-militärisch-kommerziellen Raumfahrtkomplexes in den USA. Die NASA war bereits gegründet. Sie verfügte im Jahr 1960 noch über ein relativ bescheidenes Budget von rund 500 Millionen Dollar. 1969 standen ihr knapp vier Milliarden Dollar zur Verfügung. Trotz dieser gigantischen Zahlen - 218 000 Menschen arbeiteten am Projekt Mondlandung - habe das gesamte Mondprojekt nur soviel gekostet wie ein Jahr Vietnamkrieg, rechnete Thomas Weber vor.

Es begann damals in Amerika eine einzigartige technologische Aufholjagd. Ein geeignetes Raketensystem musste entwickelt werden. Rendezvous- und Andockmanöver im All mussten erprobt werden. Forschungen wurden vorangetrieben, ob der menschliche Organismus überhaupt längere Zeiten in der Schwerelosigkeit existieren kann. Zur Vorbereitung wurden auch einige Erkundungssonden zum Mond gesandt. Aber nicht jede erreichte ihr Ziel. Einige strandeten im Orbit, andere verfehlten schlicht den Mond. Das Apollo-Programm begann dann auch mit einem Fehlschlag: Am 27. Januar 1967 verbrannten drei erfahrene Astronauten in ihrer Kapsel. Auch die Sowjets hatten Rückschläge einzustecken. So stürzte ihnen zum Beispiel Sojus 1 ab. Der eigentlichen Mondlandung gingen einige bemannte Testmissionen voraus. Im Oktober 1968 flog Apollo 7. Bereits Weihnachten 1968 war Apollo 8 im Weltall unterwegs. Apollo 9 und 10 starteten im März und im Mai 1969. Diese Flüge gingen der eigentlichen Mission voraus, um die entsprechenden Handlungsabläufe zu proben. All jene unbekannt gebliebenen Astronauten ebneten Neil Armstrong mit Apollo 11 den Weg zu seinem ersten Schritt auf dem Mond. Die Landung erfolgte damals in einem Gebiet, das das „Meer der Ruhe" genannt wird. Weitere Mondlandungen sollten später noch folgen: Im November desselben Jahres landete Apollo 12 auf dem Mond. Im April 1970 folgte die legendäre Havariemission von Apollo 13 und im Januar 1971 landete Apollo 14 auf dem Erdtrabanten. Die Zustimmung in der Öffentlichkeit begann damals bereits zu schwinden.

Drei wissenschaftliche Missionen sollten mit Apollo 15 bis 17 in den Jahren 1971 und 1972 noch folgen, wobei mit Apollo 17 im Dezember 1972 der erste klassische Wissenschaftsastronaut vor Ort auf dem Mond war. Die Astronauten der ersten Stunde waren erfahrene Militärflieger und Testpiloten die zwar zunehmend ein wissenschaftliches Interesse entwickelten, doch erst mit der letzten Mission betrat mit dem Geologen Jack Schmitt erstmals ein klassischer Wissenschaftler den Mond.

Die amerikanische Weltraumbehörde NASA plant derzeit für das Jahr 2020 eine Rückkehr zum Mond, fast ein halbes Jahrhundert nach der ersten Landung. Das Astronomiemuseum an der Sternwarte Sonneberg widmet sich im August mit zwei Mondabenden unserem Erdtrabanten. Jeweils ab 21 Uhr beginnt am 1. und am 29. August ein populärwissenschaftlicher Vortrag zum Thema mit anschließender Gelegenheit, den Mond selbst durch das Teleskop zu beobachten. Die turnusmäßige Vortragsreihe wird am 7. September mit einem Vortrag über die Sternenbahnen fortgesetzt.




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