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Pressespiegel > 2008
Nebras Himmelsscheibe, Laptop der Bronzezeit
Sternwarte Sonneberg. Geschichte astronomischer Rechenmaschinen von einst spannend aufbereitet
von Roland Wozniak, erschienen im "Freien Wort" am 24. Januar 2008
Was hat unser Computer mit Ostern und mit astronomischen Berechnungen des Mittelalters zu tun? Dieser und noch vieler anderer Fragen rund um die Geschichte der astronomischen Rechentechnik ging Jürgen Müller am Montagabend im Museum der Sternwarte Sonneberg auf den Grund. Eingeladen zu diesem populärwissenschaftlichen Vortrag hatte der Freundeskreis der Sternwarte in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Sonneberg.
Der Diplom-Pädagoge Müller ist geradezu prädestiniert für dieses Thema. Hat er doch dereinst Physik und Astronomie studiert. Früh galt sein Interesse der Informatik, heute ist er Dozent dieses Fachs an der Berufsakademie Gera. Und während er sich heute beruflich mit Computern beschäftigt, gehört seine Liebe der Astronomie.
Der Name Computer kommt vom lateinischen Begriff Computus, war zu erfahren, das ist die seit dem Mittelalter bekannte Osterberechnung. Ostern ist immer am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Viele andere Feiertage richten sich nach diesem Termin: Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam aber auch die närrischen Termine wie Fastnacht und Aschermittwoch stehen in unmittelbaren Zusammenhang mit diesem ersten Frühlingsvollmond. Seit alters her bestimmen Sonne und Mond unseren Tageslauf, so ist der Vollmond wichtig für die Jagd, beeinflusst aber auch die Gezeiten und andere Naturerscheinungen. Mit zunehmendem Übergang zu Ackerbau und Viehzucht bekam der Lauf der Sonne als Maßeinheit für Tag und Jahr größere Bedeutung. Es war also wichtig, die Jahreszeiten voraus berechnen zu können und insbesondere für die Kirche war die Komputistik, die Lehre von der Feiertagsberechnung von Bedeutung.
Um den Ostertermin im Voraus benennen zu können, muss man wissen wann ist Frühlingsbeginn, wann ist Sonntag und wann ist Vollmond. Der Frühlingspunkt ist da, wo die Ekliptik, die scheinbare Sonnenbahn, den Himmelsäquator schneidet. Die Bahn des Mondes ist um fünf Grad zur Ekliptik geneigt und schneidet diese an den so genannten Mondknoten. Eine Lunation, der Durchlauf aller Durchlauf aller Mondphasen, dauert 29,53 Tage. Nach 19 Jahren ist wieder die gleiche Konstellation von Sonne und Mond erreicht.
Der Sonnenzyklus mit seiner Tageszuordnung wiederholt sich nach 7 mal 4 julianischen Jahren, also nach 28 Jahren. Beide Zyklen multipliziert, ergeben den großen Osterzyklus mit 532 Jahren. Im achten Jahrhundert verwendete man bereits die Ostertafeln als Rechenhilfsmittel. Karl der Große bekam um 800 die Wasseruhr von Harun al Ruschid eine Messinguhr, ein Vorläufer der späteren astronomischen Großuhren, schenkt. Als Beispiele für frühe astronomische Rechenhilfen führte Müller auch die Kreisgrabenanlage von Goseck auf. Dieses in den letzten Jahren freigelegte Sonnenobservatorium wird auf rund 7000 Jahre vor Christus datiert.
Anhand der Himmelsscheibe von Nebra erörtert der Astronom die mobilen Berechnungsmöglichkeiten für den Lauf von Sonne und Mond. Mit den Megalithblöcken von Stonehenge ließen sich selbst schon Finsternisse voraussagen. Aber auch Goldhüte aus der Bronzezeit, sollen neben ihre Kultfunktion auch den Schlüssel zu derartigen Berechnungen enthalten. Seit dem 19. Jahrhundert sind mehrere dieser an Zauberhüte erinnernden Kopfbedeckungen bei Grabungen in Süddeutschland und Frankreich entdeckt wurden. Archäologen stießen auf das Phänomen, der Schmuckelemente auf allen gefundenen Hüten, die wichtigsten astronomischen Zyklen dargestellt seien.