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Sternstunde für Sterngucker
Sonneberger griffen am Wochenende sprichwörtlich nach den Sternen
von Roland Wozniak, erschienen im "Freien Wort" am 6. April 2009
Vor 400 Jahren, es war im Herbst 1609, war wohl Galileo Galilei der erste Mensch, der die Sterne am Himmel durch ein Fernrohr beobachtete. Erfunden wurde das Fernrohr ein Jahr zuvor vom Holländer Jan Lippershey. Galileo erfuhr von jener Erfindung und baute selbst ein Gerät, bestehend aus handelsüblichen Linsen. Sein erstes Fernrohr hatte ungefähr eine vierfache Vergrößerung. Später begann er selbst Linsen zu schleifen und erreichte eine acht bis neunfache Vergrößerung. Zweifelsohne gilt Galileo Galilei als Pionier unter den Fernrohrbeobachtern. Vor 400 Jahren begann somit die astronomische Himmelsbeobachtung mit einer neuen Qualität. Aus Anlass dieses Jubiläums wurde von der UNO das „Internationale Jahr der Astronomie" als Themenjahr ausgerufen. In über 130 Ländern wird dieses Ereignis gefeiert. Vom zweiten bis fünften April fand weltweit die Aktion „100 Stunden Astronomie“ statt.
Eingebettet in diesen Themenrahmen fand am Samstag der Astronomietag statt. Alljährlich wird dieser Tag ausgerufen von der Vereinigung der Sternfreunde e.V., für viele Institute, Einrichtungen, Planetarien und Sternwarten ist dieser Tag Anlass, sich einen breiterem Publikum mit ihren Angeboten zu präsentieren. So gab es auch in der Sternwarte Sonneberg eine Vielzahl von Veranstaltungen. Rund zweihundert Besucher aus nah und fern nutzte die Gelegenheit zu einem Besuch. „Schon als Kind wollte ich immer mal auf die Sternwarte, aber dann kam der Krieg, dann kam die Grenze und heute hat es endlich geklappt“, sagt Frau Schmidt aus Neustadt bei Coburg, die Rentnerin war mit Ehemann, Tochter und Schwiegersohn angereist und war begeistert von der dargebotenen Raumflugsimulation durchs Universum. Selbst ein kompletter Kindergeburtstag wurde hier gefeiert: Der gerade sechs Jahre alte Vincent brachte seine Freunde und Gäste mit und ließ sich von Susanne Weber an den Schautafeln einiges zusätzlich erklären.
Ohne die Webers – Thomas Weber ist Leiter des Astronomiemuseums an der Sternwarte und Ehefrau Susanne ist Mitarbeiterin -
In der großen Kuppel bestand Gelegenheit, die große Schmidt-
Eine kindgerecht aufgearbeitete Raumflugsimulation im Vortragssaal fand viele Interessenten: Die Gäste begaben sich aus einer Entfernung von 10 Millionen Lichtjahren auf eine Reise durch unsere Galaxie bis hin zur Sonne. In weiteren Vorträgen gab es einiges über die Geschichte der Sternwarte, die Sonnenbeobachtung, die Entstehung unserer Sternbilder und über die astronautische Erforschung des Weltalls zu erfahren.
Es wurden praktische Tipps für die Sonenbeobachtung vermittelt, und es gab genügend Raum für Fachsimpelei am Rande. Das Nachmittagsprogramm war gut besucht, zum Abend wurde es erst Mal ruhiger. Der Himmel begann sich zuzuziehen, und manch einer zweifelte, ob die nächtliche Beobachtung noch stattfinden könne. Doch mit aufziehender Dämmerung und wegziehenden Wolken kamen auch die Besucher zurück. Galt es doch, den Mond und später den Saturn durch das älteste Teleskop zu beobachten. Auch das eigens im Gelände aufgebaute Teleskop wurde rege zu diesem Zweck genutzt. So wie schon vor vierhundert Jahren Galilei wollten auch viele Gäste heute einen Blick durch das Fernrohr erhaschen, und so stellte man sich auch geduldig an, bis jeder seinen eigenen Eindruck des Sternenhimmels durchs Teleskop erleben durfte.